Pressespiegel

Gäubote, 20.9.2011
Die Artenvielfalt der Musikinstrumente bewahren
Gärtringen: Die Pianistin Yuko Abe-Haueis bietet in St. Veit eine Harmonie, der kaum zu entkommen ist
Von Nadine Dürr

"(...) "In manchen Belangen ist es in der Welt der Klaviere ähnlich wie in der Welt der Tiere: Einige Arten sterben aus." So leitete Professor Johann Sonnleitner, Emeritus der Zürcher Hochschule der Künste, den Abend ein. Das kostbare, gefährdete Stück, das an diesem Abend im Mittelpunkt stehen sollte, war ein von Michael Walker erbauter Hammerflügel nach einem Modell des berühmten Wiener Klavierbauers Johann Fritz aus dem Jahre 1825. Es ist ein Instrument, wie man es zur Zeit Beethovens in Wiener Bürgerhäusern antreffen konnte, und auch Franz Liszt perfektionierte sein Spiel einst auf einem solchen Klavier. (...)

"Früher gab es verschiedene Instrumententypen in den europäischen Städten. In der heutigen globalisierten Musikwelt kann man eine Egalisierung beobachten: Nur eine einzige Instrumentenart ist weit verbreitet", bedauerte Sonnleitner. Die Berufung der beiden Leiter des zweiten Fortepiano-Festivals Stuttgart besteht deshalb darin, die "Artenvielfalt" der Musikinstrumente zu bewahren und historische Instrumente einem breiteren Publikum bekanntzumachen; Wie sich später herausstellen sollte, ist es ein besonderes Erlebnis, Werke so zu hören, wie sie zur Zeit ihrer Komponisten erklangen. (...)

Die in Gärtringen lebende Pianistin Yuko Abe-Haueis, die nach Europa kam, um unter anderem bei Johann Sonnleitner historische Tasteninstrumente zu studieren, erfreute die rund 70 Zuhörer am Samstagabend mit Werken von Chopin und Liszt. Bereits während der ersten Takte der "Polonaise op. 26 Nr. 1" Chopins umschmeichelte der weiche, etwas gedämpfte Klang des Hammerflügels die Ohren. Leicht und fließend, mal träumerisch, mal beschwingt hauchte Abe-Haueis dem bedrohten Klavier Leben ein und entführte in ihre musikalische Welt. Mit Chopins "Berceuse op. 57" spielte sie heiter und sanftmütig einen unbeschwerten Sommertag herbei, spülte Alltagssorgen hinweg; wo sie noch vorhanden, gewesen sein mögen, und schaukelte spätestens mit dem Schluss-Ritardando den Puls in die Ruhephase. Kaum wagten die Zuhörer nach der "Nocturne op. 27, Nr. 2" zu applaudieren, zu sehr unterbrach es die friedsame Atmosphäre. Leise, dann wieder energischer, doch stets lebendig schuf Abe-Haueis eine Harmonie, der kaum zu entkommen war. Vor der Pause meisterte sie Chopins "Scherzo 1 op. 20" in teils atemberaubenden Tempo. Wilde, durcheinanderwirbelnde Läufe wechselten sich mit verträumten, abgeschieden-zarten Passagen und ernsteren Tönen ab. Mit eleganter Hand kraulte und streichelte sie die Tasten, um schließlich mit einer entschiedenen, chromatisch aufwärts strebenden Tonleiter einen imposanten Schlusspunkt zu setzen.

Zum 200. Geburtstag widmete sich die Pianistin im zweiten Teil ihres Programms Franz Liszt. Scheinbar mühelos flossen ihr die "Consolations Nr. 1-3" aus den Händen. Mit flinken Fingern und großer Virtuosität spielte sie die "Etüde op. 1, Nr. 9", streute energisch, doch ohne an Empfindsamkeit zu verlieren, schillernde Klangkaskaden in den Raum. Nachdenklich und innehaltend schließlich das "Sonetto 104 del Petrarca" aus Annees de Pelerinage. Aus Melodien spann Abe-Haueis Fäden, webte daraus Netze, in die sie ihre Zuhörer einhüllte und verabschiedete sich schließlich spielerisch-schweigend und gelöst mit Liszt' "Notturno III". Der anhaltende Applaus gab, den Klang-Archäologen Abe-Haueis und Sonnleitner recht: Vielfalt bereichert nicht allein die Tierwelt, Gesprächsrunden und den Mittagstisch, sondern in nicht zu unterschätzender Weise auch den musikalischen Kosmos."



Böblinger Kreiszeitung , 21.09.2011
Den nuancierten Klang des Hammerklaviers vorgestellt
Zweite Auflage des Fortepiano-Festivals Stuttgart: Yuko Abe-Haueis gestaltet einen Abend in der St. Veit-Kirche in Gärtringen
Von Jutta Rebmann

"(...) Werke von Frederic Chopin und Franz Liszt standen auf dem von Yuko Abe-Haueis sorgfältig zusammengestellten Programm. "Solch ein Instrument wie dieses hier hat Chopin bei seinen Konzertreisen in Wien vorgefunden, und der junge Franz Liszt hat seine Etüden bei Carl Cerny auf einem Pianoforte geübt", erzählte Sonnleitner. (...)

Die junge japanische Pianistin Yuko Abe- Haueis lebt seit einigen Jahren in Gärtringen. Anschließend an ihr Studium in Japan absolvierte sie ein Zusatzstudium für historische Tasteninstrumente an der Schola Cantorum Basiliensis und an der Musikhochschule Zürich. Sie wurde in ihrer japanischen Heimat vielfach ausgezeichnet, ihre Vorliebe für die Musik des 18. und 19. Jahrhunderts korrespondiert mit ihrer während ihres Studiums immer mehr zutage tretenden Hinwendung zu historischen Instrumenten. Der intime Klang des Hammerflügels kommt den Interpretationen Yuko Abe-Haueis entgegen. Der erste Teil des Abends war Frederic Chopin gewidmet, der 1810 geboren, im vergangenen Jahr seinen 200. Geburtstag hätte begehen können. Neben der Polonaise op. 26 Nr. 1 brachte Abe-Haueis das anmutige Nocturne op. 27 zu Gehör. Der feine Nachklang der Saiten ließ die Töne fast durchsichtig erscheinen, das kam besonders der im Jahr 1844 entstanden Berceuses op. 57 zugute.

Nach der Pause stand mit dem im Jahr nach Chopin geborenen Franz Liszt der Geburtstagsjubilar des Jahres 2011 auf dem Programm. Liszt hat drei Gedichte das italienischen Dichters Francesco Petrarca aus seinen "Annees des Pelerinage" zweimal vertont, in den Jahren um 1838 für Klavier und Singstimme, zehn Jahre später für Klavier solo. Mit dem Notturno Nr. III, dem wohl bekanntesten der drei von Liszt komponierten "Liebesträume", ging das Konzert in St. Veit zu Ende. Yuko Abe-Haueis gelang es mit ihren sensiblen Interpretationen vorzüglich, die so ganz andere Klangwelt des Hammerflügels gegenüber seinem jüngeren Bruder im Stahlkorsett deutlich zu machen. Für den immer wieder aufbrechenden, lang anhaltenden Beifall bedankte sich die Künstlerin mit einer Ecossaise von Chopin."



Stuttgarter Zeitung / Leonberger Kreiszeitung, 06.09.2011
Einblicke in ein fast vergessenes Instrument
Gerlingen: Musik wie zu Mozarts Zeiten hat es auf Schloss Solitude gegeben.
Von Gabriele Metsker

"Nur selten passiert es nach einem Konzert, dass sich das Publikum neugierig um das Instrument schart, wie es am Sonntagabend der Fall war. Viele wollten einen Blick in das Innere des Hammerflügels erhaschen, dessen Saiten parallel gespannt sind, allerdings nicht, wie bei einem modernen Instrument, über einen Metallrahmen, sondern über Holz. "Das passt so schön hier hinein", sagte Johann Sonnleitner, ein renommierter Spezialist für alte Tasteninstrumente, der auf Schloss Solitude nicht nur mit diesem Instrument sein Publikum verzauberte.

Es war der perfekte Rahmen für ein Hammerflügelkonzert: die Rokoko-Kapelle von Schloss Solitude. Die Blütezeit dieser Instrumente ist von 1750 bis 1850 gewesen, genau in jener Zeit, als Herzog Carl Eugen das Schlösschen bauen ließ, und in der die Meisterwerke der Wiener Klassik entstanden. Johann Sonnleitner, hat einige von ihnen in der fast ausverkauften Schlosskapelle auf einem Hammerflügel gespielt. Der Hammerflügel ist ein Nachbau eines Instrumentes von 1800. (...)

Nur zehn Jahre trennen die Grundsteinlegung des Schlösschens 1763 und die ersten Noten von Carl Philipp Emanuel Bachs "Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen" aus dem Jahre 1753. Daraus präsentierte der Pianist die Sonata V mit ihren vielfältigen Möglichkeiten, das Klangfarbenspektrum des historischen Instrumentes einzusetzen. Der Stirnsatz, noch an die barocke Form der Invention erinnernd, machte gut die signifikante Textur hörbar: Sie ist weicher als die des Cembalos und metallener als des modernen Flügels.

Wie schön ein Hammerflügel singen kann, wurde im zweiten Satz deutlich. Die Melodietöne blieben nicht nur liegen, sondern betörten durch ihren - bedingt durch die Bauweise des Klangkörpers - sanften, fast zerbrechlichen Charakter. Selbst das tänzerische Schluss-Allegretto behielt diese intime Stimmung bei, die für einen kleinen Rahmen wie geschaffen ist. Die Fantasie aus dem Jahre 1787, die Sonnleitner im Anschluss spielte, vermittelte das improvisatorische Talent des Bach-Sohnes, der in dieser Disziplin ein großer Meister war.

Zwei Sonaten und eine Fantasie von Joseph Haydn stellte Sonnleitner dem gegenüber, so dass das Publikum nachvollziehen konnte, wie sich der Meister der Wiener Klassik an Carl Philipp Emanuel Bach orientiert und weiter entwickelt hatte. Die sich entsprechenden Formen ließen sich besonders gut vergleichen und wirkten auf dem Hammerflügel mit seinen feinen Klangnuancen besonders anmutig. Dass diese mit Hilfe zweier Pedale geschaffen werden, die mit den Knien bedient werden, verriet der Pianist verschmitzt und sorgte damit für Heiterkeit im Publikum.

Sonnleitners Herz gehört dem Hammerflügel, obwohl er während seines Studiums auf modernen Flügeln gespielt hat. Der Grund ist einfach: "Ich habe als Kind auf einem alten Wiener Hammerflügel Klavier gelernt, weil wir nichts anderes hatten", erzählte er. "Der Hammerflügel ist die direkte Verbindung zum Klangideal der Klassik. Wenn man die Artikulation, die beim Cembalospiel notwendig ist, an einem Hammerflügel einsetzt, hat man ein ganz reiches Repertoire. Und man kann im leisen Bereich viel mehr abschattieren." "



Stuttgarter Zeitung / Blick vom Fernsehturm 05.09.2011
Klangkunst nach alter Art
Degerloch. Christine Schornsheim eröffnet das Pianoforte-Festival.
Von Martin Bernklau

"Die Zeit hat das Instrument verändert, die Sprache hat es rüde zum Piano verkürzt: Ein Fortepiano war ein Clavier, ein Tasteninstrument, mit dem sich per Anschlag laut und leise spielen ließ - relativ laut, verglichen mit der Wucht moderner Flügel. Das war neu damals. Jetzt ist es veraltet, außer Gebrauch, fast vergessen, das historische Hammerklavier. (...)

Fast vergessen ist auch der Johann Abraham Peter Schulz, mit dessen früher Sonate in Es-Dur die Münchener Professorin für Cembalo ihr Konzert begann. Dabei galt der 1747 in Lüneburg geborene und im Jahr 1800 in der brandenburgischen Residenzstadt Schwedt gestorbene Komponist Zeitgenossen als ebenbürtig den Wiener Größen Haydn und Mozarts. Unsterblich ist er gewiss als Schöpfer des Abendliedes "Der Mond ist aufgegangen" auf das Gedicht seines Freundes Matthias Claudius.

Am empfindsamen Stil und an der hohen Schule der Geläufigkeit in der Sonate des Frühklassikers Schulz ließen sich die damaligen Vorzüge des Hammerklaviers gegenüber dem üblichen Cembalo sehr schön zeigen. Zwar erinnert der silbrig obertonreiche Klang des Fortepiano aus der Staufener Werkstatt von Christoph Kern noch an die mit Federkiel angerissenen Saitenton der Vorgänger. Der fünffüßige Nachbau eines historischen Wiener Walter-Instruments ist übrigens mit seinem Kirschbaum-Holz schon als Möbel ein erlesenes Schmuckstück. Mit der Anschlags-Differenzierung der Hammermechanik, auch mit den Farbunterschieden zwischen tiefen und hohen Lagen, wurde jene poetische Tongebung möglich, blieb jene virtuose Rasanz durchsichtig, die dem Hammerklavier in den knapp hundert Jahren seiner Blüte bei Komponisten, Interpreten und Publikum seinen Siegeszug bescherte. Spätestens von 1850 an war das Fortepiano flächendeckend ersetzt durch die voluminöser tönenden Flügel mit gusseisernem Rahmen. Sie hatten größeren Tonumfang und füllten auch große Konzertsäle mit Klang.

Bedachtsam, mit feinem Humor und rhetorisch delikat, stellte Christine Schornsheim mit der Sonate C-Dur von 1780 auch den reifen Klassiker Joseph Haydn auf originalem Instrument vor. Der Franzose Alexandre Pierre François Boëly (1785 bis 1858) steht in seiner frühen Sonate c-Moll seinem Vorbild Beethoven an musikalischer Qualität, virtuosem Temperament und expressiver Kraft kaum nach. Im langsamen Satz ließ die Pianistin auch mozartisch grazilen Charme funkeln, im Finale Kaskaden und Läufe rauschen, die aber auf diesem Instrument kammermusikalisch dezent und transparent blieben. Tastenlöwenhaft donnern kann man damit nicht. Aber das Fortepiano erlaubt über Kniehebel auch Hallwirkungen und dämpfende Moderator-Effekte.

Auch in Mozarts ruhig erhabenem Rondo a-Moll machte das sensible Fortepiano intime, jenseitig träumerische Modellierungen möglich. Nicht nur hier imponierte Christine Schornsheim mit ihrer Faible für zärtlich gestreichelte, sachte Schlüsse. Überwältigend war es, Beethovens inflationär entwertete "Mondschein" Sonate in durchdachter Interpretation mit virtuoser Geläufigkeit zu hören. Ein paar Freiheiten im fulminanten Finale schmälerten den großartigen Eindruck nicht. Das Publikum applaudierte mit höchster Bewunderung. Die Interpretin gab eine Caprice des originellen Alexandre Boëly drein."



Gäubote, 16.6.2010
Spritzig, melancholisch und furios
Gärtringen. Würdiger Abschluss des Hammerflügel-Festivals Stuttgart
Von Stefanie Baumann

"Das erste Hammerflügel-Festival Stuttgart fand einen würdigen Abschluss in der Gärtringer Michaelskirche. Etwa 70 Interessierte hörten ein besonderes Konzert und spendeten begeistert Beifall.

(...) Wer den Weg, in die Michaelskirche gefunden hatte, bekam ein außerordentliches Hörerlebnis präsentiert. Der Hammerflügel als Duopartner stand im Mittelpunkt des Abends. So gesellte sich zu Yuko Abe-Haueis am Mozart-Hammerflügel (einem Neupert-Nachbau) Detmar Leertouwer am Violoncello. Dieses war mit Darmsaiten bespannt und wurde mit leichterem Bogen gespielt, damit es besser zu dem farbigen, empfindsamen Klang des Instrumentes mit Holzrahmen passte. So erläuterte es Professor Johann Sonnleitner, der Spezialist für dieses Instrument aus Basel, anschaulich und sichtlich begeistert von den Ausdrucksmöglichkeiten des Instrumentes. Das besitze zwar weniger Durchschlagskraft, da es lichter gebaut sei, einen Holz- rahmen und auch einen geringeren Tonumfang habe, aber sei der menschlichen Sprache viel näher.

Die einzigartige Klangrede war dann zu erleben bei Werken von Johann Christoph Friedrich Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven. Ganz chronologisch war der Programmablauf. Die Sonate A-Dur des Bach Sohns hätte auch auf dem Cembalo gespielt werden können, da hätte man mehr, Brillanz gehört, durch den Hammerflügel bekam die Musik jedoch mehr Biegsamkeit. Leertouwer und Abe-Haueis zeichneten sich durch sensibles Dialogisieren, schön gefühlte Übergänge und differenzierte dynamische Behandlung aus. Mal war das Cello führend, mal nur im Hintergrund, mal beide ebenbürtig und gleichsam in angeregtes Gespräch vertieft. Auch die beachtliche Virtuosität beider Interpreten kam zum Vorschein, wurde aber nie in den Vordergrund gespielt. Beide Künstler sahen sich als Diener der Musik.

Dass sie auch temperamentvoll sein kann, bewies die aus Japan stammende Pianistin beim Hauptthema des ersten Satzes der 'Sonate KV 457 für Hammerflügel von Wolfgang Amadeus Mozart. Im Gegensatz dazu malte sie das lyrische zweite Thema mit cantablen Linien. Die Basslage des Instrumentes klang viel individueller als bei den heutigen Flügeln. Läufe schwebten luftschlangengleich grazil durch den Kirchenraum. Mit jeder Faser ihres Körpers stellte Abe-Haueis die interpretierte Musik dar.

Ludwig van Beethovens Variationen über das Thema "Bei Männern, welche Liebe fühlen" aus Mozarts Zauberflöte, das damals in Wien überall gesungen wurde, kam bestens an. Galant, spritzig, melancholisch, furios mit feiner Abstimmung präsentierte das Duo die Kontraste. Der Niederländer Detmar Leertouwer zeigte gerade bei den zwei Beethoven-Werken mit Spiel und Mimik seine dramatische Seite. In der abschließenden Sonate für Hammerflügel und Violoncello op.5/2 bekam man nochmals die gesamte Bandbreite des Klangspektrums mit. Spielfreudig und mit viel Gespür für Nuancen präsentierten die Duopartner das Werk und ernteten sehr starken und lang anhaltenden Applaus. Bei der Zugabe entführten die beiden das Auditorium dann in sphärische japanische Klangwelten und zeigten ein weiteres Mal die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten der Instrumente."



Kreiszeitung Böblingen 4.06.2010
Ein musikalischer Traum wird wahr
Yuko Abe-Haueis aus Gärtringen veranstaltet ab Sonntag das erste Hammerflügel-Festival in und um Stuttgart
Von Jan Renz

"(...) "Ein Hammerflügel - was ist das?" Diese Frage wird der Gärtringerin Yuko Abe-Haueis oft gestellt, denn sie ist Spezialistin für dieses Instrument. Eine Antwort versucht sie zu geben, indem sie immer wieder Konzerte auf dem Hammerflügel veranstaltet, etwa 30 waren es in den letzten Jahren. Aus ihrem Wunsch diese Aktivitäten zu bündeln, erwuchs vor drei Jahren die Vision eines eigenen Hammerflügel-Festivals. Dieser Traum geht in den nächsten Tagen in Erfüllung. In und um Stuttgart wird vom 6. bis zum 13. Juni ein Hammerflügel-Festival stattfinden, das ein absolutes Novum ist. Vergleichbares gibt es laut Veranstalter in Deutschland nicht. (...)

"Wir wollen das Besondere des Hammerflügels erlebbar machen", sagt Yuko Abe- Haueis zur Zielsetzung. "Die Leute sollen erfahren können, wie ein Hammerflügel klingt." Das Instrument ist für viele Pianisten unserer Zeit Teil der Vergangenheit, aber es war lange Gegenwart: Für dieses Instrument haben Komponisten wie Haydn, Mozart, Beethoven bis hin zu Chopin geschrieben. Mit diesem Klang im Kopf entwickelten die Klassiker ihre Werke.

Für das Festival hat die Gärtringer Pianistin einen Verbündeten gefunden: Johann Sonnleitner, langjähriger Professor an der Musikhochschule Zürich, auch Komponist. Er arbeitete mit Nicolaus Harnoncourt zusammen und war Lehrer an der berühmten Schola Cantorum in Basel; wo Abe-Haueis seine Schülerin war. Gemeinsam mit ihm wurde das Festival-Konzept entwickelt. "Schwierig war es, die passenden Orte und die gemeinsamen Termine der Beteiligten zu finden", erläutert die Gärtringerin. Als Partner konnte man die Musikhochschule Stuttgart gewinnen, die ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. "Prof. Jon Laukvik war sofort an unserem Projekt interessiert"; sagt Abe-Haueis. Zudem konnten Sponsoren gefunden werden, etwa eine Bank, aber auch eine Werkstatt für historische Tasteninstrumente. Ähnlich wichtig sei aber das "Mitwirken musikbegeisterter Menschen". So wurde ein ambitioniertes Programm möglich. Die Aufführung der "Schönen Müllerin" zum Beispiel gestaltet der Stuttgarter Tenor Andreas Weller.

Für die Freunde Alter Musik in der Region dürfte das Abschlusskonzert besonders interessant sein: Es findet am Sonntag, 13. Juni, in Gärtringens Kirche St. Michael statt. Yuko Abe-Haueis wird am Hammerflügel den niederländischen Cellisten Detmar Leertouwer begleiten. Auf dem Programm stehen hauptsächlich Johann Christoph Friedrich Bachs Sonate A-Dur, Mozarts Sonate KV 457 für Hammerflügel und Beethovens Sonate opus 5, Nr. 2. (...)

Vor 13 Jahren saß sie zum ersten Mal an einem Hammerflügel - und schnell war es um sie geschehen, sie verliebte sich in den transparenten Klang. Schon vor zwei Jahren sagte sie gegenüber der KRZ: "Auf dem Hammerflügel kann man feine Nuancen ausdrücken. Der intime Klang gefällt mir sehr gut." Heute ergänzt sie: "Der Hammerflügel beeindruckt durch die Farbigkeit seines Klangs." Gleichwohl sitzt sie auch am modernen Flügel, oft auch als Klavierpädagogin. Für ihr erstes Festival wünscht sie sich eine gute Resonanz. (...) "Es gibt viele hervorragende Werke für den Hammerflügel", so Abe-Haueis, "die heute aber weitgehend unbekannt sind." Vielleicht kann die engagierte Pianistin daran etwas ändern."
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