Vorträge | Führung 2011
Sonntag, 11.09.2011 - 14.00 Uhr
Fruchtkasten am Schillerplatz, 70173 Stuttgart
Klavierbau, Komposition, Bildungsideale zur Liszt-Zeit
Stefan Schneider | Führung
Als Erfinder des Hammerklaviers gilt Bartolomeo Cristofori, ein italienischer Musikinstrumentenbauer des 17. Jahrhundert. Er entwickelte eine völlig neue Anschlagtechnik, welche erstmals ein dynamisches Spiel mit veränderlicher Lautstärke möglich machte. Die Abkehr von der Cembalo-Mechanik in jener Zeit war revolutionär.
Sollten diese neuen Instrumente mit ihren Möglichkeiten eines völlig neuen Klangideals von der Musikwelt tatsächlich aufgenommen werden? Vom Wunsch nach mehr Klangdynamik wurde durch berühmte Komponisten die Weiterentwicklung des Hammerflügels, insbesondere eine Steigerung des Tonumfangs, forciert. Viele Werke von Mozart, Haydn, Chopin und Liszt schöpften diesen neuen Klang vollendet aus. Jedoch den Drang nach mehr Klangvolumen für Aufführungen in größeren Konzertsälen begegneten die Instrumentenbauer mit dem Einbau eines Rahmens aus Metall und schufen damit das moderne Klavier in seiner heutigen Form. Diese Entwicklung hatte ihren Preis - das besondere des Klangbildes des Hammerflügels mit seiner Brillanz und Leichtigkeit änderte sich abermals, verbunden mit einem erneuten Wandel des Klangideals.
Dieser Entwicklung können Sie auf den Spuren der Musikgeschichte, direkt an Ausstellungsstücken der renommierten Instrumentensammlung des Musikinstrumentenmuseums im Fruchtkasten Stuttgart nachgehen. In einer Führung können sie an ausgewählten Instrumenten die Instrumentenentwicklung im Spiegel ihrer Zeit neu erleben.
Anmeldung unter
Tel: +49 7034 2509044
Email: info@fortepianofest.de
Sonntag, 17.09.2010 - 17.30 Uhr
St. Veit Kirche, Kirchstraße, 71116 Gärtringen
Vortrag: "Wenn Klaviere streiken ..."
Prof. Johann Sonnleitner, Emeritus der Hochschule der Künste, Zürich
In diesem Vortrag erfahren die Zuhörer mehr über instrumentenbauliche Argumente für "wohltemperierte" Zeitmasse. Klingende Beispiele lassen das Gesagte direkt erhören.
In der Kontroverse um die unzähligen paradox erscheinenden historischen Metronom-Angaben werden zwei widersprüchliche Aussagen Beethovens aus dem Jahr 1826 immer wieder gerne zitiert. Einerseits: "Hol' der Teufel allen Mechanismus!" und andererseits "In unserm Jahrhundert ist dergleichen sicher nötig".
Angesichts der zunehmenden Technisierung in unserer Zeit und der zu beobachtenden Tempoexzesse sowohl in der langsamen als auch in der schnellen Richtung sind beide Aussprüche hochaktuell. Unabhängig von den spieltechnischen Fähigkeiten, dem persönlichen Geschmack und dem jeweiligen Stil-Willen der Interpreten geben die rein mechanischen Geschwindigkeits-Grenzen historischer wie moderner Klavier-Mechaniken nüchterne Anhaltspunkte in der Tempodiskussion. So können das Zur-Kenntnisnehmen der mechanischen Fakten und das Durchschauen historischen Metronom-Angaben zur nötigen Ent-Mechanisierung der Musik beitragen.
